Diesmal stand am Anfang nicht die inhaltliche Idee, sondern die Musik. Zu der Musik von Frank Preuss mussten die Bilder gefunden werden. Dies hat seine Zeit gedauert, denn diverse Ideen, die auch in Skizzen einmündeten, wurden geboren und wieder verworfen. Am Ende blieb die einfache, direkte Umsetzung des Themas “Traurigkeit”, mit Hilfe des “iPhones”.Denn das war es, was Franks Musik an Stimmung hervorrief: eine tiefe Traurigkeit, die sich in einem / meinem Gesicht niederschlug.
Der gedankliche Prozess blieb bruchstückhaft – das Thema “Dialog”, Projektarbeit für eine BBK – Ausstellung im Oktober 2010 – erschloss sich nur schwer. Ich glaube: es ist letztlich ein “ausgreitzes und oft aufgegriffenes” Thema.
Der Reiz bestand aber dennoch im Aufspüren der Wurzeln, dem Freilegen der Quellen, die diesen Begriff zu einem Positiven gemacht haben und mit dem sich heute viele Aktionen, Projekte oder Institutionen schmücken. Die Beschäftigung mit dem Begriff führte mich in meine Schülerzeit – zurück zu Sokrates.
“box2″ ist eine/meine Theaterbühne und Arbeitsfläche im Kleinen: 1,4m x 1,4m x 1,4m und steht in meinem Atelier auf einem großen fahrbaren Tisch.
“box2″ ist ein Projekt – mein Videoprojekt, denn unter diesem Projekttitel werden zukünftig alle Videoprojekte, die mit Hilfe der “box2″ erstellt worden sind, veröffentlicht.
“box2″ ist aber mehr: es ist die Summe der Zeichnungen, Storyboards, Drucke, Objekte, Filme und Musik.
box2″ hat einen Vorgänger: “die black box” von William Kendridge, entstanden 2005. “box2″ ist ein Nachbau dieser “black box”.
Gelungen – einfach gelungen!
Es ist ein schwieriger Ort, es war ein schwieriger Zeitpunkt: und dennoch waren viele gekommen, um mit uns im Rahmen des BBK die Ausstellungseröffnung “zu zweit – wenn die Dinge sich erschöpfen” in der VHS in Krefeld zu feiern.
“Was ist Kunst? Was ist ein Bild? Ist Kunst funktional oder spielerisch angelegt? Was hat uns bei der Zusammenstellung der Ausstellung bewegt? Wie geht man technisch vor? Zielt das Zeigen von Werken auf das Bewusstsein? Wie steht es um die künstlerische Identität?”
Das waren einige der Fragen, die im gemeinsamen Dialog zwischen uns und mit den Anwesenden besprochen wurden – ich glaube zur Zufriedenheit aller. Und die von oben einschwebende Musik rundete stimmungsvoll das Ganze ab.
Mit diesem Film findet das Thema “Risse” sein vorläufiges Ende. Seit Mai 2009 wurde – im Rückgriff auf die Linie als zeichnerisches Grundelement – dieses Thema entwickelt.
In der Beschreibung der Phänomenologie auf dieser Seite wurde, was zu denken war, gedacht und geschrieben.
Das Ergebnis der prozesshaften Themenerarbeitung kann in seiner Vielfalt hier angeschaut werden: >> [...] >> Risse

Barbara Krull und ich werden vom 23.4.2010 an in der VHS Krefeld im Rahmen der Ausstellungsreihe “zu zweit” des BBK Niederrheins ausstellen – sie sind herzlich eingeladen – bitte den Termin vormerken!
Hier geht es zur Einladungskarte: Einladungskarte “zu zweit”
Unsere Diskussion in einer der 2SIM-Sitzungen über die Frage von „guter Kunst“ berührte viele Facetten. Eine davon war der Aspekt „des künstlerischen Planes“, der als ein Kriterium bei der Einschätzung des jeweiligen Werkes als gute Kunst eine zentrale Rolle spielte.
Es geht nicht unreflektiert. Wer Kunst ernsthaft und existentiell betreibt, in welcher Sparte auch immer, der beschäftigt sich zwangsläufig nicht nur mit den Fragen von Technik oder Themenwahl, sondern nimmt in Form von „Meta“ in den Blick, was ihn treibt, warum es ihn beschäftigt und wohin es ihn führen soll. Hier setzt auch meine Unterscheidung zwischen Künstler und Freizeitkünstler an.
Authentizität ist das, was wichtig ist. Die Themen und Techniken, die Materialien sowie die Formen der Präsentation müssen Teil meiner Selbst sein – entsprechen meiner Prägung, meiner Entwicklung und sind ich selbst. Gleichgültig, welche ästhetischen Formen und Vorgehensweisen ich wähle: sie müssen echt sein und dies sind sie nur, wenn ich es bin, der da agiert und nicht eine Rolle, die man mir zugeteilt hat oder die ich mir selbst zugeteilt habe.
Damit schließen sich viele Themenbereiche in der künstlerischen Bearbeitung aus, die vielleicht von Interesse sein könnten. Es müssen schon die echten sein, die ich aufgreife. Und echt sind sie auch dann, wenn sie Teil meiner Psyche sind. Künstlerisches Handeln ist auch „Psychohygiene“, ist eine Form der Selbstreinigung. Damit ist das, was ich erstelle, u.a. ein Prozess der Selbstreinigung im Sinne der Klarwerdung, der Bewusstwerdung, der Reinigung von schädlichen Energien.
Meine Kunst zielt also auf mich, zielt aber auch auf andere, denn das, was mich bewegt, bewegt auch andere. In diesem Sinne stelle ich dar, um andere teilhaben zu lassen. In diesem Sinne ist meine Kunst auch gesellschaftlich ausgerichtet und nimmt das Bewusstsein des Anderen in den Blick und hofft auf Wirkungen. Daher ist für mich die Frage, wie der Betrachter, mit welchen Augen, er meine Werke sieht, von Bedeutung und ich nehme in die selbstkritische Betrachtung bzw. Bewertung meiner eigenen Produkte auch immer die Frage mit auf, wie dies womöglich auf den Betrachter wirkt.
Ist das Thema gefunden, beginnt der Prozess. Das Thema wird parallel gedanklich und handwerklich –ästhetisch entwickelt und wächst. Der Ausgang ist offen. Das Ergebnis entsteht experimentell. Die Zeit spielt keine Rolle. Der Dialog mit denen, die mich umgeben, dagegen hat hohe Bedeutung. Er ist Teil des Wachstums der Reihe.
Und dieser Prozess wird dokumentiert – konsequent und möglichst in kleinen Schritten und wird in meine Schaufenster www.atelier-kuester.de und www.hj-kuester.de veröffentlicht. Ich wünsche die öffentliche Teilhabe an dem, was ich mache, denn meine Form von Kunst ist auch für den Anderen gedacht. Ich wünsche aber auch die künstlerische Kontrolle über das, was da einzusehen ist.
Daher versuche ich auch immer bei Ausstellungseröffnungen meiner Werke selbst die Eröffnungsrede zu halten. Ich möchte selbst vermitteln, was mich bewegt hat und nicht interpretative Darstellungen erfahren, die mich als Objekt beschreiben und bisweilen in Richtungen abheben, die ich nicht möchte oder die überinterpretieren. Ich muss keinen Markt bedienen, um von meiner Kunst zu leben. Ich will keinen Markt bedienen, um meine Kunst der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr, Einzel- oder Gruppenausstellungen, dies reicht. Die Kontinuität ist gewahrt, jede Ausstellung erhält in der Umsetzung ein Höchstmaß an Zuwendung durch mich und er Aufwand hält sich in akzeptablen Grenzen. Für Zusätzliches genügen mir die beiden Seiten im Web als Schaufenster. Offen für Kommentare und den Dialog.
Gezeigt werden Werke wie Drucktechnisches – Hochdruck mit Druckstöcken aus Holz, Gummi und Papier -, kleine Objekte aus allen verfügbaren Materialien, Videoarbeiten und Zeichnungen. Die Reibung, das Schräge in der Ästhetik, die Ungewöhnlichkeit der Komposition oder des Arrangements sind bewusst gewollt – starke Bilder sollen es sein. Gedankliches soll in Form gebracht werden mit den Mitteln der Irritation, der Minimierung und Reduzierung. Das Eintreten eines „Aha-Effektes“ ist gewollt.
Ganzheitlichkeit – sie muss abschließend erwähnt werden. Teil meiner Persönlichkeit ist nicht nur die oben beschriebene Form der Ästhetisierung meines Lebens, sondern daneben gibt es gleichwertig den Dialog, die Kommunikation mit denen, die so wie ich ticken, neudeutsch heißt dies auch Vernetzung. Und über die Musik, die selbst erzeugte, und auch die ist nur in der Gruppe Gleichgesinnter möglich, geschieht ebenfalls vieles. Die Gewichte zwischen den einzelnen Sparten sind zwar bisweilen unterschiedlich verteilt, aber jede hat ihre Berechtigung und ist Teil von mir – ganzheitlich, bewusst und auf alles wechselseitig einwirkend.

Natürlich stellt sich altersgemäss die Frage nach dem, wie wir wurden und warum wir so wurden und was uns zu dem gemacht hat, was und wer wir sind: Prägung eben.
Anderhalb Jahre hat dieser intensive Prozess des “sich Errinnerns” gedauert: im Kopf Lebendiges wurde in Form und Farbe gebannt, verschüttet Geglaubtes wieder ans Tageslicht gezogen und wie an einem Faden, den man aufnimmt, ergab sich so manches an Errinnerungsstücken, das gefasst werden konnte. Die Ergebnisse sind hier zu sehen: PRAEGUNG >>[...]
